Look and Feel Trip

Mit hohem Tempo verliess der Airport-Zug den Hongkonger Flughafen. Ich hatte den älteren Sohn auf meinem Schoss sitzen, er schlief. Leicht drehte ich mich zum Fenster und schaute auf die vorbeiziehenden Hochhäuser, die Frachtschiffe im Hafen, die breiten Strassen und den dichten Verkehr. Hier also wollen wir wohnen?

Wir hatten uns für einen „look and feel trip“ entschieden – das letzte Mal waren wir vor 11 Jahren in Hong Kong, damals noch ohne Kinder. Höchste Zeit also für uns, zu sehen wie unser zukünftiger Wohnort aussieht!

Da waren wir nun, wir drei. Tom wollte sich seinen neuen Arbeitsplatz anschauen und hatte einige Termine wahrzunehmen, dem Grossen wollten wir seinen neuen Kindergarten und die Schule zeigen, ich hatte eine Liste potenzieller Wohngegenden abzuklappern und zudem hatten wir noch einen offiziellen Interviewtermin mit dem Kindergarten (Ja, richtig gelesen). Aber der Reihe nach.

 

Schulinterview

Zum Interview mit der internationalen Schule waren wir – typisch Schweizer – überpünktlich. Leicht angespannt sassen wir im Taxi, welches uns zur Schule fuhr. Von meinem ersten Schulerlebnis in Hong Kong war ich ehrlich gesagt etwas eingeschüchtert – erstens hiess es nämlich überall, dass wir im Februar viel zu spät dran seien, eine Schule zu finden für im August und zweitens hätte der Sohnemann, der (noch) kein Wort Englisch spricht, ein 90 minütiges Assessment mit drei verschiedenen Lehrern absolvieren müssen um zu beurteilen, ob er in den Kindergarten (!) der internationalen Schule aufgenommen wird oder nicht. Zum Glück haben wir eine sehr gute, andere Lösung gefunden – und hier sassen wir nun eben in unserem Interview, welches aber wir Eltern und nicht unser Sohn führen mussten .

Die Schuldirektorin erwies sich als sehr freundlich und zuvorkommend, das Gespräch war angenehm. Wir wurden durch die verschiedenen Räumlichkeiten geführt und haben ein erstes Gefühl erhalten, wie der Kindergartenalltag in China aussehen wird. Morgens werden alle Kinder von einem Schulbus abgeholt und am Mittag wieder zum Bus gebracht, der die Kinder dann auf der Route überall ablädt, wo dann die Mutter oder die Helferin (dazu dann später mehr) wartet.  Davor, meinen 5 Jährigen Sohn in einen chinesischen Schulbus „abzuladen“ hatte ich ehrlich gesagt Angst. Aber als ich erfuhr, dass immer eine „bus-mother“ mitfährt, die genau weiss welches Kind wann und wo ein- und aussteigen muss, beruhigte mich das.

Ich war erstaut wie unglaublich gut alles organisiert und durchdacht ist – dieser Eindruck sollte sich auf unserem Trip noch einige Male bestätigen.

 

 

 

Fahrt zum Campus – erstes Fettnäpfchen

Nachdem wir nun wussten, wie der Kindergarten aussah, fuhr ich mit meinem Sohn zum Campus der internationalen Schule, wo die Kinder ab der 1. Klasse zur Schule gehen. Dieser Campus liegt auf dem Peak, dem bekanntesten Berg Honkongs. Der Campus ähnelt einer amerikanischen High School, es gibt sogar einen Schuluniformladen, wo wir gleich einen Sonnenhut gekauft haben, den er mit grossen Stolz trägt.

Auf der Rückfahrt vom Campus zum Hotel fand ich kein Taxi, also stellten wir uns  zur öffentlichen Bushaltestelle. Es gab keinen Fahrplan am Anschlagbrett, aber wir hatten Glück, und ein Bus hielt und ich konnte fragen, ob uns dieser nach Central bringen würde. Ich hatte keine Ahnung, wie und wo ich das Ticket bezahlen musste da ich keinen Automaten vorfand und der Busfahrer nur sehr schlecht Englisch  – und ich noch kein Kantonesisch sprach. Der Fahrer deutete auf eine Art durchsichtige Box (siehe Bild oben), wo eine 10 Hongkongdollar Note drin steckte, rund CHF 1.20. Ich dachte mir, ja gut, wir sind zu zweit, also stopfte ich eine 20er Hongkongdollar Note rein. Kompletter Anfängerfehler. Kaum hatte der Busfahrer die Türe ruppig geschlossen und den Motor aufheulen lassen, sprach mich der Herr hinter uns grinsend an: „You just paid way too much“. Ich kam mit dem netten Herr, der sich als Englischlehrer des Campus herausstellte, ins Gespräch. Er klärte mich auf, dass eine Fahrt vom Campus nach Central 2 Hongkongdollar und nicht 20 kostet. Lession learned! Der Busfahrer hat sich sicher gefreut, von der unwissenden „Touristin“ Trinkgeld erhalten zu haben…

 

 

 

Wohnungsbesichtigungstermin – check!

Per Taxi, welches in Hong Kong wirklich unglaublich günstig ist (30 Minuten Fahrt kosten um die CHF 20.-) fuhren wir in ein paar Gegenden, welche wir zu Hause als potenzielle Wohngegenden vermerkt hatten. In Zürich zu sitzen und nach passenden Wohngegenden in einer Weltstadt wie Hong Kong zu googeln kam mir manchmal ziemlich komisch vor. Wo fängt man mit der Suche an? Auf welchen Blogs findet man die besten Ratschläge? Welche Foren erscheinen vertrauenswürdig und glaubhaft? Welche Immobilienseiten sollte man berücksichtigen? In welcher Wohngegend suchen wir denn überhaupt?

Wir hatten keinen Termin mit einem Makler, sondern sind auf eigene Faust ein paar Gegenden anschauen gegangen. Als ich wohl etwas zu offensichtlich die ausgeschriebenen Wohnungen studierte, welche an der Glaswand eines Maklerbüros mit billigem Kleber angeklebt waren, kam die Maklerin auf mich zu und fragte, ob wir Wohnungen besichtigen wollten. Jetzt gleich. Klar wollten wir!

Die erste Wohnung lag im 23. Stock, für chinesische Verhältnisse eher nicht so hoch (zum Vergleich: Tom’s Büro liegt im 50. Stock). Wir traten in die Eingangshalle, wo es eine Art Empfang gab, wo eine Frau sass und – ja was genau machte? Ich weiss es auch nicht, sie schaute einfach in der Gegend herum. Etwas irritiert von der Dame hinter dem Schreibpult stiegen wir in den Lift. Wir mussten auf den rechten Lift warten, da dieser alle geraden Nummern bediente, der linke nur die ungeraden. Wir fuhren hoch, und ich wurde immer nervöser. Was, wenn mir die erste Wohnung nicht gefiel? Würden alle Wohnungen gleich aussehen? Wir traten ein.

Und standen gleich mitten im Wohnzimmer. Das Wohnzimmer war eher gross, die Zimmer relativ klein, aber nicht anders zu erwarten. Die Küche war moderner als erwartet, aber auch hier: Klein. Wir standen in der Küche, als mir eine Vorratskammer, die direkt an die Küche grenzte, auffiel. „Schau, eine Vorratskammer, wie praktisch!“ Rief ich, als ich in den Raum trat und gleich wieder verstummte. Denn in dem rund 4m2 (Nein, dies ist kein Schreibfehler) kleinen Raum gab es noch einen zweiten winzigen Raum, wiederum ohne Türe – mit einer Toilette und einem Duschkopf an der Wand. Mir dämmerte es, und die Maklerin konnte meine Gedanken lesen. „It is a really big room for a Maid!“ sagte sie. Ich war schockiert. Wie kann denn jemand so leben, ein „Zimmer“ ohne Türe wo knapp ein Bett Platz findet, ein „Bad“ ohne Türe, kein Fenster. Ich war so schockiert und in meinen Grundwerten erschüttert. Wie kann man denn einen Menschen so bei sich leben lassen. Die Mehrheit der Expats und die reichen Chinesen haben eine Maid resp. Nanny, welche sich um Haushalt und Kinder kümmert und die bei einem zu Hause wohnt. Aber so? Ich würde mich in Grund und Boden schämen, müsste ich jemanden eine solche Abstellkammer zur Verfügung stellen.

Wir schauten noch den Rest der Wohnung an, viel gab es jedoch nicht mehr zu sehen, wie erwähnt sind Wohnungen in Hong Kong klein. Der Blick aus dem Balkon war für mich ein ganz neuer: Beton und hohe Häuser wohnin man schaut. Der Blick jedoch aus dem Wohnzimmer überraschte mich; ein riesiger, sehr dicht bewachsener Hang, der einem schier vorgaukelte, sich im Dschungel zu befinden. Fazit der ersten Wohnung war: Ganz ok, hier könnte man es sich vorstellen zu leben, aber es wäre toll, wenn sich noch andere Wohnungen finden liessen.

Die zweite Wohnung, welche wir uns anschauten, war dann wiederum zu gross und entsprechend sehr teuer (Denke: Wohnung im Zürcher Seefeld x 2 Hong Kong Mietpreise) Wir waren froh, konnten wir einen ersten Eindruck gewinnen und können dann im August mehr oder weniger vorbereitet mit einem professionellen Makler auf Wohnungssuche gehen. Ich bin gespannt, was uns da erwarten wird.

 

 

 

 

 

 

 

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