Der Alltag in Hong Kong

 

Der Grund für meine Blog-Stille ist ein ganz simpler: Der Alltag ist angekommen und hält uns im Griff.

Wir haben Zeit gebraucht, um uns an unseren neuen Alltag zu gewöhnen. Unser Umfeld, das Klima, die Sprache, die Kultur und die Wohnsituation haben sich verändert. Die Flitterwochen-Phase ist vorüber. Aber wir geniessen unser Leben in Hong Kong sehr. Die Eindrücke saugen wir immer noch auf wie nach Wasser lechzende Schwämme.

Was findet ihr denn besonders toll in Hong Kong?

Essen: Die Möglichkeiten sich zu verpflegen sind einfach herrlich. Name it and they got it. Klar sind hier z.B. Joghurts teuer (500g kosten locker 10 CHF) – aber wir sind hier ja auch in Asien und kaufen mittlerweile lokaler ein. Ich habe angefangen, Gyoza zu machen, Tom kocht am Wochenende oft sehr leckere Nudelgerichte mit vielen Gewürzen. Freitag Abend bestellen wir oft (asiatisches) Essen via Deliveroo oder Foodpanda.

IMG_4007

Wetter: Ich weiss zwar noch, wie sich Kälte anfühlt, aber ich glaube wir werden alle einen absoluten Temperaturschock erleben, wenn wir an Weihnachten in die Schweiz fliegen. Seit unserer Ankunft im August laufe ich täglich mit kurzen Shorts und T-Shirt herum – ich liebe es. Die Leute haben nun zwar angefangen, Pullis zu tragen, aber das kommt mir bei aktuell 25 Grad nicht in den Sinn.

ÖV: Das Public Transportation System ist super – mit der MTR (Metro) kommt man überall hin. Man erzählt sich, wagemutige nicht-chinesen nehmen ab und zu den öffentlichen Bus und landen dann am anderen Ende der Stadt. Habe ich aber nur hören sagen 😉

mtr10

Wohnen: Mieten sind exorbitant teuer. Wir wurden etwas weiter vom Zentrum (mit ÖV rund 30 Min) fündig – eine für Hong Konger Verhältnisse grosse, sehr helle Wohnung mit Meer- und Hafensicht. Ich habe noch nie so schön gewohnt. Es kommt vor, dass ich Abends auf dem Sofa sitze, das Licht ausmache und auf die beleuchteten Schiffe und die Skyline schaue und es überkommt mich ein Glücksgefühl. Der Jüngere geht nicht ins Bett, wenn wir uns nicht gemeinsam an die grosse Fensterfront stellen und allen Schiffen, Fischen, Hochhäusern, der MTR und dem Meer gute Nacht sagen.

 

Sicherheit: Ich habe mich noch nie so sicher gefühlt wie hier in Hong Kong. Mittlerweile kann ich mit Bestimmtheit sagen, dass ich lieber nachts mit der hiesigen MTR nach Hause fahre oder wohnin laufe als dass ich durch die Zürcher Langstrasse laufe. Hier geht’s zum safest cities of the world ranking 2018. Kinder fahren in Schulbussen, wo sie sich mit Badges ein- und auschecken müssen, in der Preschool darf man ein Kind nur abholen, wenn man einen entsprechenden Ausweis hat. In der MTR hat es überall Schilder wo steht, wie man sich verhalten soll, und die Leute halten sich daran. Ich habe schon beobachtet, wie ein Sicherheitsmann die Leute vor einem am Boden liegenden Kabel gewarnt hat, damit keiner drüberstolpert – klar ist gerade dieses Beispiel übertrieben und ich musste zwei mal hinschauen was der da macht, aber ich glaube, ihr seht, was ich meine.

Domestic Helper: Hong Kong würde nicht funktionieren ohne die Abertausend (vorwiegend) Philippinischen Helpers. Die Domestic Helpers oder auch Nannies / Aunties genannt, sind für sehr viele Familien das Rückgrat. Oft müssen (möchten) beide Elternteile vollberuflich arbeiten, aber meistens fehlt die eigene Familie, das heisst es gibt keine Grosseltern, die in der Nähe wohnen. Die Helpers kümmern sich je nach Familien um den gesamten Haushalt, die Kinder, Einkaufen, alles mögliche. Hier gehts zu einem interessanten, kurzen Video dazu Offiziell leben sie bei einem zu Hause, inoffiziell gibt es einige, welche sich für die live-out Option entschieden haben (die Helperin geht am Abend nach Hause, meist ist dies ein Zimmer, welches sie mit anderen Philippinas teilt).
Häufig werde ich von Helperinnen auf dem Spielplatz angesprochen. „Mam‘ you don’t have a helper? I have a friend looking for a job!“ Ich falle auf, weil ich mich zu 100% selbst um meine Kinder kümmere. Wir schliessen nicht aus, vielleicht auch einmal eine Helperin anzustellen, vor allem für den Haushalt, aber momentan sind wir sehr zufrieden wie es ist.
Kleine Anekdote: Ich war mit meinem grösseren beim Arzt. Den kleineren hatte ich auch dabei. Da meinte der Arzt zu mir: „Oh, you don’t have a helper? You are VERY brave!“ Das VERY zog er so lang, als klebte ein Kaugummi dran.

 

Neue Möglichkeiten: Ich habe bewusst meine Karriere aktuell unterbrochen, was nicht heisst, dass ich in Hong Kong nicht wieder nach einer Stelle suchen werde. In Zürich habe ich immer zwischen 60% und 80% gearbeitet (Mutterschaftsurlaub ausgenommen) und nun habe ich das erste Mal in meinem Leben Zeit, mir zu überlegen wohin es mich beruflich führen soll. Momentan geniesse ich es, für meine Kinder voll da zu sein und merke auch, dass sie diese verlässliche Stütze zwingend brauchen.
Nach 2 Monaten in Hong Kong wurde ich in der Schule meines älteren Sohnes zur Elternrepräsentantin gewählt, das heisst, ich hole die Bedüfnisse der Eltern ab, kommuniziere zwischen Eltern und Schule, nehme an Meetings teil, informiere über Schulthemen, organisiere Coffee Mornings für uns Eltern und noch einiges mehr. Ich bin gespannt, was noch alles kommen wird.
Die Wochenenden: Hong Kong bietet unglaublich viel. An den Wochenenden sind wir ständig auf Entdeckungsreise, es ist sehr schön als Familie diese Erlebnisse teilen zu können. Mal nehmen wir ein Boot, dann wieder fahren wir mit der MTR an Orte wo wir noch nie waren, das nächste Mal findet wieder irgendwo eine tolle Veranstaltung statt oder wir fahren mit dem Taxi in 20 Minuten an den Strand.
Dazu kommt, dass Hong Kong ferientechnisch für uns Asien-Fans ein Traum ist: Wir waren in Macau, fliegen in den nächsten Tagen nach Taiwan, haben Palawan gebucht und auf dem Programm stehen China, Japan und Taiwan.

IMG_4137

 

Und was gefällt euch eher weniger?

Früh aufstehen: Von Montag bis Freitag stehe ich um 05:50 auf, um den älteren Sohn zu wecken, da ihn der Schulbus um 06:43 abholt. Wir haben etwa 4 Wochen gebraucht, um uns richtig daran zu gewöhnen. Tom und ich wechseln uns ab – es stehen zwar immer beide vor 06:00 Uhr auf, aber immer einer kümmert sich dann um Frühstück machen, Pausenbrote schmieren und den grösseren zum Schoolbus zu bringen.
Mittlerweile gewinne ich dem früh aufstehen positives ab. Da ich mich entschieden habe, den 2 jährigen nicht mit dem Schoolbus zur Preschool fahren zu lassen sondern selbst zu laufen (resp. ihn im Buggy zu schieben….) bin ich noch fitter als sonst. Heute Morgen habe ich auf meinem iPhone nachgeschaut:  Um 09:15 Uhr habe ich bereits über 10’000 Schritte auf dem Zähler.

Aufwand für gewisse Dinge: Es ist wirklich erstaunlich, wie viel Zeit ich Abends damit verbringe, Sachen zu organisieren. Eine Preschool einfach mal anschauen gehen? Nein, geht nicht. Bitte vorher Termin vereinbaren, Gespräch mit dem Schulleiter führen, je nach Schule einen Termin für ein Interview für das Kind vereinbaren (Jep).
Admissions für den Kindergarten? Nein, auch hier nicht einfach mal das Kind mit einem A4 Formular für den Kindergarten anmelden sondern 2 Stunden vor dem Computer sitzen, Fragen zum Kind, zu den Eltern, zur Laufbahn der Eltern, zum Verhalten des Kindes, seiner Entwicklung, zum möglichen Beitrag des Kindes an die gesamte Schule (…) beantworten, erklären, worin der Sohn besonders gut ist.

Luftqualität: Sie kann an gewissen Tagen sehr schlecht sein. Sie war einer der Haupt-kritikpunkte als wir uns mit dem Thema Umzug nach Hong Kong beschäftigt haben. Nachdem wir herausgefunden haben, dass die Luftqualität in Bern vor 10 Jahren etwa gleich gut/schlecht war wie in Hong Kong im Jahr 2018, konnte ich es etwas relativieren.

IMG_4320

Es heisst nicht, dass ich mir absolut keine Sorgen mehr darum mache. Wir haben uns, wie alle hier, entsprechend angepasst und Luftfilter gekauft, zudem gehe ich mit den Kindern nicht raus, wenn der Index eine sehr starke Luftverschmutzung anzeigt (über 8/9 HEI). Hier gibt es eine Interessante Übersicht von Luftverschmutzung weltweit (Spannend, z.B. gewisse europäsiche Städte mit Hong Kong zu vergleichen).

In jedem Land gibt es Sachen, die man mag oder eben nicht so mag, perfekt ist es  nirgends. Wir geniessen unser Leben in Hong Kong und sind glücklich hier und sind angekommen!

 

 

 

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s