Expatmütter in Hong Kong – Sabrina

Wie lebt es sich fernab von der ursprünglichen Heimat – oder ist Heimat immer dort wo man gerade lebt? Ich habe andere Expat-Mütter befragt, wie sich ein Leben in Hong Kong anfühlt.

Über Sabrina:
 Geboren in Montreal als Tochter einer kanadischen Mutter und eines Schweizer Vaters, war Sabrina von klein auf das unstetige Leben als Expatriate gewöhnt. Der Beruf des Vaters als Swissair Manager brachte sie als einjährige nach Nigeria, danach folgten Stationen in Deutschland, Zürich und Hong Kong. In Hong Kong, wo sie auch heute lebt, besuchte sie dieselbe Schule wie heute ihr Sohn. Nach Hong Kong folgten Umzüge nach Kenia, Prag und Davos.

„Meinen Mann Rolf habe ich in der Hotelfachschule in Lausanne kennengelernt“ schmunzelt die blonde, zierliche Kanada-Schweizerin. „Wir haben beide einen Beruf in einem sehr internationalen Umfeld gewählt und es war klar, dass wir nicht plötzlich an einem Ort sesshaft werden würden“.

Das Paar zog nach ihrem Hotelfachschulabschluss gemeinsam nach San Francisco, geheiratet haben sie vier Jahre später.

Ihre Berufe führten sie nach Shanghai, Hong Kong – wo ihr Sohn Dominic geboren wurde – und Bangkok. Aktuell leben sie mit ihrem 5 Jährigen Sohn  in Hong Kong.

Über das Muttersein in einem fremden Land:
 „Unser Sohn Dominic ist in Hong Kong geboren. Als er 9 Monate alt war, zogen wir aufgrund eines Jobtransfers meines Mannes nach Bangkok. Ich war zum ersten Mal in meinem Leben in einer komplett neuen Rolle in einem fremden Land und das war nicht einfach. Früher war ich immer wegen eines Jobs umgezogen, jetzt war Dominic da, und ich hatte anfangs Mühe, mich in der Stadt zurechtzufinden. Zudem kommt man mit Kinderwagen in Bangkok nirgends hin, weil Gehsteige hoch und uneben sind oder plötzlich enden.“

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Über den Kulturschock:
 „Sich an eine neue Kultur, Sprache und Umgebung anzupassen, das war ich mir von klein auf gewohnt. Der einzige Ort, an dem ich länger gebraucht habe um mich einzuleben war Bangkok. Das hatte vor allem damit zu tun, dass ich mich zum ersten Mal nicht beruflich sondern als Vollzeitmutter in einem neuen Land zurechtfinden musste. Neue Kontakte zu finden stellte sich als schwierig heraus, mein Mann hatte lange Arbeitstage – ich habe mich oft sehr einsam gefühlt. Nach und nach fühlte ich mich jedoch wohler, und rückblickend kann ich sagen, dass trotz etwas harzigem Start die Zeit in Bangkok eine schöne Zeit war.

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Über das Gefühl von Heimat
: „Als Kind bedeutete Heimat für mich immer der Ort, an dem meine Eltern und meine Schwester waren. Jetzt ist Heimat dort, wo mein Sohn Dominic und mein Mann Rolf sind. Natürlich bedeutet Heimat auch die Schweiz und Kanada.“

Über das Leben mit Familie in Hong Kong
: „Das Leben in Hong Kong gefällt uns sehr gut, wir sind glücklich hier. Die Stadt funktioniert unglaublich gut und ist effizient, zudem bietet sie einem viel. Wir mögen hier vor allem die Vielfalt der Natur: In den heissen Monaten sind wir oft auf einem Junkboat oder an einem der unzähligen, schönen Stränden anzutreffen. Auch wenn man es nicht glauben mag: Hong Kong ist sehr grün und es gibt tolle Wanderwege und schöne Parks mit Papageien und Affen, tolle Spielplätze, und natürlich die unglaubliche kulinarische Vielfalt. Zudem fühlt sich Dominic in seiner Schule wohl, was für uns natürlich auch sehr wichtig ist. Es ist die Diversität, die Hong Kong ausmacht.“

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Über das Wohnen in Hong Kong
: „So toll das Leben in Hong Kong ist, Platz ist sehr begrenzt. Unsere Wohnung ist zwar für hiesige Verhältnisse  gross (rund 140m2), aber dafür ist sie alt. Uns stören die Gelbe 80-er Jahre WC Schüssel und die dunkelblauen Platten im Bad nicht mehr. Wir haben auf Modernität verzichtet, dafür haben wir eine unschlagbare Aussicht auf das Meer, genügend Platz und eine tolle Community von Expats mit vielen jungen Kindern, die sich täglich nachmittags treffen um draussen Scooter zu fahren und zu spielen oder im Pool zu schwimmen.“

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Über Probleme beim Umzug nach HK: „
Wir hatten in Bangkok einen zwei Meter langen Esstisch anfertigen lassen. Als wir nach Hong Kong zogen, wurde dies zum Problem. Wohnungen sind hier viel kleiner als in Bangkok – ausser man hat ein unbegrenztes Budget. Bei den Wohnungsbesichtigungen haben wir oft auf dem Absatz kehrt gemacht: Der Tisch passte nicht rein! Mit der Zeit wurde dies zum running Gag zwischen uns und unserem Makler.“

Über Mehrsprachigkeit
: „Ich spreche im Alltag praktisch nur Englisch. Schweizerdeutsch ist zwar auch meine Muttersprache, ich spreche sie aber bedeutend weniger. Zu Hause sprechen wir Englisch. Wir hätten mit Dominic von Anfang an mehr Schweizerdeutsch sprechen sollen. Er ist zwar zu  3/4 Schweizer, spricht aber nur vereinzelte Wörter Schweizerdeutsch und wenig Deutsch. Wir haben ihn in die Swiss German International School geschickt, damit er Deutsch lernt.“

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Über das Arbeiten in HK: „
Ich war 36, als ich mit Dominic schwanger war, und habe davor immer gearbeitet. Meine Karriere in der Hotellerie war toll und spannend, aber ich habe mich bewusst entschieden Vollzeitmutter zu sein. Dies ist auch ein Grund, weshalb wir – wie in Hong Kong üblich – keine Vollzeit-Helperin haben. Ich möchte mein Kind selbst erziehen und aufwachsen sehen.“

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Über die Zukunft in HK: „
Wir fühlen uns sehr wohl in Hong Kong und wir sehen Dominic gerne hier gross werden. Hier haben wir alles, was wir brauchen. Ein sicheres Umfeld, eine tolle Schule für Dominic, Rolf kann seine Karriere weiterverfolgen. Nichts desto trotz ist es aufgrund von Rolfs Job in der Hotelbranche unwahrscheinlich, dass wir sehr lange hier bleiben werden – es kann jederzeit passieren, dass Rolf versetzt wird, und wir woanders unser Leben weiterleben.“

Danke, Sabrina.

 

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