Einblick in die Ängste einer Gesellschaft – der Coronavirus

Gestelle mit Toilettenpapier sind leer. Am nächsten Tag gibt es keineTaschentücher mehr. Ich bin am Einkaufen und schüttle den Kopf. Wegen Gerüchten auf Social Media haben die Menschen in Hong Kong panikartig eingekauft.(Hier ein Bericht dazu)

Social Media gab es zu Zeiten vom SARS Virus noch nicht, und ich wünschte mir aktuell eine Facebook-freie Zeit zurück. Da werden ständig Gerüchte gepostet, Fakten falsch oder halbwahr dargestellt – und Hunderte liken diese Posts oder teilen sie mit Freunden.

Ja, das Leben in Zeiten des Coronavirus ist mühsam. Die Schulen meiner Kinder sind bis Mitte März geschlossen. Jede Woche erhalten wir Hausaufgaben von den Lehrern  und ich homeschoole meine Kinder, wie Tausende andere Eltern in Hong Kong momentan auch.  Bevor wir rausgehen, ziehen wir uns eine Gesichtsmaske an, die Hände werden täglich mehrmals sehr gründlich gewaschen („Sing mal das Happy Birthday Lied, so lange sollst du dir die Hände waschen“) Viele Freunde meiner Kinder sind nach den Chinese New Year Ferien gar nicht mehr erst aus der Schweiz oder Deutschland zurückgekommen. Anlässe werden reihenweise abgesagt, grosse Menschenansammlungen wollen vermieden werden.
Türklinken und Knöpfe drücke ich nur noch mit meinem Ellenbogen, und falls ich doch etwas berühre, wasche ich meine Hände gleich mit Desinfektionsmittel. Bei den Kindern achte ich natürlich ebenfalls ständig  darauf, was sie anfassen, und dass sie sich nicht ins Gesicht fassen. Eine einfache Aufgabe, wie ihr euch vorstellen könnt.

 

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Das schwierige an der momentanen Lage ist, dass niemand weiss, wie lange sie noch andauern wird. Werden die Schulen noch länger geschlossen sein? Möglich. Lohnt es sich, mit den Kindern in die Schweiz zu gehen? Jein. Unser Leben ist hier,  Freunde sind hier, der Alltag ist hier. In der Schweiz fehlt den Kindern ebenso der Alltag ohne Schule, und zudem sind alle ihre Schweizer Freunde in Kindergarten und Schule. Ist es besser, an einen Flughafen zu gehen und sich 12h lang in ein Flugzeug zu setzen als zu Hause zu bleiben? Müssen wir in der Schweiz 2 Wochen in Quarantäne? Haben Leute Angst vor uns, weil wir aus Hong Kong  kommen?

 

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Diese Kiste war innerhalb einiger Minuten leer

 

Es ist keine einfache Entscheidung. Momentan bleiben wir hier. Wichtig für uns sind vor allem die Familien und Freunde welche hier sind, mit denen wir uns am Strand treffen oder Wandern gehen, oder die wir zu uns nach Hause einladen. Und natürlich, die Entwicklung der Virus-Lage.

Momentan könnten wir nochjederzeit in die Schweiz zurückfliegen. Sollten Flüge aus Hong Kong in die Schweiz untersagt werden, würde mich das stressen. Ein Flug in die Schweiz ist ein Sicherheitsticket, zumindest für meine Seele.

 

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Die Kellnerin in meinem Lieblingskaffee

 

Ich schätze es, dass  sich Hong Kong  um Hygiene kümmert – überall sieht man Putzleute, welche regelmässig Türklinken putzen. Schulen werden von unten bis oben komplett gereinigt. Die Menschen haben einen hohen Hygiene-Standard, man sieht sie Hände waschen und Masken tragen. Viele Büros sind halb leer, weil die Leute zu Hause bleiben.

Erinnerungen an SARS

Die Wu-flu resp. der Coronavirus wurde in der chinesischen Provinz Wuhan (knapp 2 Flugstunden von Hong Kong entfernt) entdeckt (Hier ein Bericht von The Guardian). Die Erinnerung an einem dem Corona Virus ähnlichen Virus – SARS – schürt Ängste. Die Infektionskrankheit hat China im Jahr 2003 schwer durchschüttelt.

Hong Kong litt im Jahr des Ausbruchs von SARS 2003 unter den ökonomischen Folgen. Es wird geschätzt, dass dadurch rund 140’000 Jobs verloren gegangen sind (Quelle: Evelyn Lu Len Roloff). Die von wirtschaftlichem Wachstum verwöhnte Stadt wurde von der Krise schwer getroffen; Analysten schätzen die ökonomischen Verluste  auf über 5 Milliarden USD.

 

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Ausgelöst wurde SARS mit grosser Wahrscheinlichkeit im Februar 2003, als ein chinesischer Arzt, welcher undiagnostizierte Patienten behandelt hatte, von Guangdong nach Hong Kong flog. Dort steckete er innerhalb 24 Stunden 12 Personen, welche im selben Hotel wie der Arzt waren mit SARS an. Die Personen nahmen den Virus mit nach Singapur, Hong Kong, Vietnam, Irland, Kanada und in die USA und infizierten direkt oder indirekt mehr als 350 Personen. Die WHO identifizierte weltweit mehr als 4000 Fälle von Superspreadern (Leute mit vielen Kontakten, welche stark zur Ausbreitung beitrugen).

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Und jetzt der Corona-Virus

Keine Angst – uns geht es gut. Ja, der Alltag hat sich sehr verändert. Aber wir gehen immer noch auf Spielplätze, an den Strand, nach draussen, Trotti fahren. Wir gehen immer noch Einkaufen, halt einfach mit einer Gesichtsmaske und Desinfektionsmittel in der Tasche. Wir treffen immer noch enge Freunde. Aber ich hoffe, dass wir bald in unseren geregelten Alltag zurückkehren können – und natürlich, dass man den Virus in den Griff bekommt resp. dass er auf Nimmerwiedersehen verschwindet.

Manchmal tut es gut, die Situation mit Humor zu sehen, in diesem Sinne:

Hier Video anschauen

 

 

 

 

 

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